Zusammenfassung: Traum- und Wachvisionen am Lebensende (TWVL) sind Transzendenzerfahrungen, die als visuelle, akustische oder sensorische Qualität wahrgenommen werden und häufig die Erscheinung von Angehörigen oder Freunden ebenso wie Wahrnehmungen von schönen Orten, Reisen, Lichterscheinungen oder Klängen beinhalten können. Diese Phänomene treten typischerweise Wochen bis Stunden vor dem Tod auf und werden überwiegend als tröstlich beschrieben. Obwohl Traum- und Wachvisionen am Lebensende häufig vorkommen – ca. 30–80% der Sterbenden berichten von visionärem Erleben am Lebensende – wird diesem Phänomen in der Medizin kaum Bedeutung zugeschrieben und häufig als pathologische Veränderung im Rahmen eines Delirs behandelt. Dieser Artikel versucht anhand der Literatur sowie klinischer Beobachtungen die Abgrenzung zwischen Delir, Traum und TWVL zu illustrieren und die therapeutische Relevanz dieser Phänomene in der Begleitung von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen aufzuzeigen.