Vorgestellt wird ein aussergewöhnliches Exemplar eines Miniaturschädels unbekannter Provenienz. Die anatomische Detaillierungstiefe, ausgeführt in hervorstechender Kunstfertigkeit, erinnert an die Schädelstudien Leonardo da Vincis und verlangt eine über den emblematischen Charakter des «memento mori» hinausgehende Interpretation. In Anlehnung an die vielfältigen Themenfelder seiner Schädelstudien wird eine anatomischanthropologische Deutung vorgeschlagen. Dieses Vorhaben erfordert die Zusammenführung von Kunstgeschichte, Medizingeschichte und Anthropologie. Im Blick auf einige Unstimmigkeiten in der anatomischen Ausführung ist eine mögliche Pathologie in Diskussion, darüber hinaus die Visualisierung eines historischen Konzepts der Hirnfunktion.