Traumatische Karotis-Sinus-cavernosus-Fisteln sind seltene Komplikationen eines Schädel-Hirn-Traumas. Die Konsequenzen einer späten Diagnose sind progressive okuläre Symptome und Befunde wie eine Visusminderung, Augenmuskelparesen, progressiver Exophthalmus, konjunktivale Chemose, Verschluss der V. centralis retinae, sekundäres Glaukom. Zudem können eine schwere Epistaxis oder intrazerebrale und subarachnoidale Hämorrhagien auftreten. Wir präsentieren eine Patientin, die nach einem Schädel-Hirn-Trauma und dem initialen duplexsonographischen Ausschluss einer arteriovenösen Fistel nach einer Latenz von über drei Wochen eine Karotis-Sinus-cavernosus-Fistel entwickelte, die sich angiographisch darstellen und katheterinterventionell verschliessen liess. Die Symptomatik der Patientin mit pulssynchronem Geräusch, rotem, geschwollenem und schmerzhaftem Auge, Diplopie, Chemose, pulsierendem Exophthalmus mit okulärer Hypertension und progressivem Visusverlust liess mehrere differentialdiagnostische Überlegungen zu. Neben entzündlichen, mechanischen, autoimmunen, vaskulären und tumorösen Störungen war jedoch aufgrund der Anamnese mit einem Schädel-Hirn-Trauma eine traumatische Ursache der Beschwerden hochwahrscheinlich. Die rasche Beseitigung dieser Fistel ist wünschenswert, um Langzeitschäden zu vermeiden, allerdings unter der Berücksichtigung der interventionsassoziierten Komplikationen, in unserem Fall der Gefahr eines Hyperperfusionssyndroms mit konsekutiver zerebralen Einblutung.